Der peinliche Bienenwolf

In meiner Verzweifelung habe ich mir gestern Abend die Verfilmung des Beowulf angeschaut. (Meine Liebe war ins Kino gegangen und ich hatte die Kinder.) Ich war schon immer der Überzeugung, dass die Geschichte ein hervorragendes Splattermovie abgibt. Das gilt, denke ich, übrigens für den größten Teil der altdeutschen und altenglische Dichtung. Auch die Edda würde sich hervorragend eigenen.

Dummerweise haben die Macher des Beowulf den größten Fehler gemacht, den man bei der Lektüre dieser alten Texte machen kann. Nämlich: Den salbungsvollen Ton, in dem das Ganze abgefasst wurde, wirklich ernst zu nehmen und das komische und ironische Potential der ganzen Angelegenheit erfurchtsvoll zu übersehen.

Besonders deutlich wird das, als der Totschläger Beowulf in Dänemark eintrifft, um ein Untier mit Namen Grendel zu erlegen. Kurz nach seinem fullminanten Auftritt, zieht jemand seine Befähigung als Schlächter in Zweifel und behauptet, dass er kürzlich irgend ein blödes Wettschwimmen verloren habe und deshalb wohl kaum in der Lage sei, das Untier zu besiegen.

Darauf hin entgegenet Beowulf, dass er unterwegs aufgehalten worden sei und zwar von ungefähr sieben Seeungeheuern, die er zuvor haben erlegen müssen. Klar! Wenn ich meinen Sohn frage, ob er sich die Zähne geputzt hat, kommen auch immer solche Ausreden. “Nein, Papa, ich musste nur noch gerade…” oder “Ich konnte nicht, denn ich war noch nicht fertig mit…”. Meistens rege ich mich dann auf. Aber manchmal gelingt es mir auch zu lachen. In der Beowulf Verfilmung ist mir das leider nicht geglückt. Aber anders als bei meinen Kindern, konnte ich das Problem schließlich mit Hilfe der Fernbedienung aus der Welt schaffen.

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