Der geschraubte Turm

Ich muss gestehen, dass ich die meisten Bücher online kaufe. Das hat den Vorteil, dass man es nach 22:00 Uhr erledigen kann, wenn die Kinder schlafen. Aber der Nachteil ist, dass man nicht immer weiß, worauf man sich einläßt. Was grundsätzlich kein Problem darstellt. Eigentlich.

Im Fall des Buches von Uwe Tellkamp, hat das Wort jedoch eine geradezu erschreckende Berechtigung. Eigentlich ist das ein Bestseller und wird von der Kritik höchlichst gelobt. Aber die erste Seite ist so verschwurbelt, das ich es bisher nicht geschafft habe, das Verb zu finden, dass diesen fein geschraubten Satz zusammenhalten soll. Ich vermute, dass es nicht existiert, weil der Lektor nicht wußte, wo er es einfügen sollte. Das ist wie mit manchen Tönen im Gesang von Joe Cocker. Die hört man auch nur, wenn man seine Lippenbewegung dazu sieht. Jedenfalls habe ich es bisher nicht geschafft noch eine weitere Zeile zu lesen. Ich glaube, ich werde erwachsen und lese bald nur noch was mir gefällt.

7 Antworten auf Der geschraubte Turm

  1. Bestseller, haben so ihre Tücken. Ich habe Bestsellerlisten generell aufgegeben und erlaube mir nur noch dann und wann eine Ausnahme, wenn die Neugier mich zu sehr quält. ;o)

  2. Frau Rabe sagt:

    genauso halte ich es mit diesen Listen auch… eben weil ich einen anderen Geschmack habe als die Lesermasse.

  3. Na ja, aber manchmal packt einen die Neugier und man fragt sich, warum das so erfolgreich ist. Und was finden die Kritiker daran? Inzischen glaube ich, dass die meisten Kritiker von einander abschreiben. Die müssen schließlich auch ihre Familie durchbringen. Um es mit Karl Valentin zu sagen: Kritik ist schön, macht aber viel Arbeit.

  4. rosenherz sagt:

    “Ich glaube, ich werde erwachsen und lese bald nur noch was mir gefällt.” – Das ist einer der schönsten Ausssagen, die in deinem Weblog zu lesen sind.

    Meine Freundin Maria erzählte unlängst von einem Kriminalroman, den sie zwecks Rezension zu lesen begann: “der Roman ist so blumig geschrieben, ich komme über die Seite vier nicht hinaus”. – Also, nur Blumensträußchen sind auch nicht besser als ein geschraubter Turm.

  5. Für einen Krimi ist das, schätze ich, ein echtes Problem. Aber Seite vier ist doch was. Bei manchen Rezensionen hat man das Gefühl, dass die Damen und Herren auch nicht mehr von dem Werk gelesen haben, dass sie da besprechen. Man wundert sich dann immer, dass alle Beispiele aus den ersten dreißig Seiten des Textes stammen. Aber ich kanns verstehen. Und eigentlich bin ich inzwischen ganz froh, dass ich mein Geld nicht mit Kultur, sondern mit handfester Informationstechnologie verdiene.

  6. Magda sagt:

    Tellkamps “Turm” hat mich unglaublich geärgert. Sein Buch ist im Grunde genommen das Werk eines geltungssüchtigen Spätpubertierenden.
    Naja – aber es ist das Buch zur gegenwärtigen Politik. Und es ist auch wahr, dass offensichtlich kaum jemand das Buch wirklich gründlich liest. Nur ich bin dazu veruteilt. Wenn man so massive Ablehnung formuliert, muss man das ja begründen.
    Also demnächst auf meinem Weblog – eine Abrechnung mit Tellkamp.

  7. Magda sagt:

    So jetzt habe ich auf meiner Seite eine längere Rezension fertig. Vielleicht interessiert sich ja jemand.

    Magda

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