Category Archives: Bücher

Die alte Schule: Das Elternhaus des Erzählers oder was davon noch übrig ist.

W

ir schreiben das Jahr 1986. Ein Dorf im rheinischen Braunkohlerevier. Thomas Sieben ist gerade vierzehn geworden und hat unlängst seinen Glauben verloren. Sein Vater ist verschwunden und seine Mutter ertränkt ihre Sorgen in Bier, Zigarren und Vorabendserien. Zusammen mit seinem Bruder und seiner Schwester lebt er in einem alten Schulgebäude, das mindestens hundert Jahre alt ist und seitdem nur spärlich renoviert wurde. Kurz und gut: Thomas gehört zu jenen Menschen, mit denen es das Leben nicht besonders gut meint.

Leserstimmen

5 von 5 Sternen. Großartig lakonisch und bittersüß. Hier macht alles Spaß: die Story, der Humor, die Sprache, die schrägen Typen. (Bornstedts kleine Bücherstube-Potsdam)

Ein berührendes, witziges, trauriges, musikalisches, herzerwärmendes Erstlingswerk (“stueckle” auf www.lovelybooks.de)

Das bessert sich auch nicht, als er seinen älteren Bruder im Dorfbach entdeckt. Mit dem Kopf nach unten. Außerdem muss er bald feststellen, dass sich die Polizei nicht besonders für seinen toten Bruder interessiert. Deshalb beschließt er die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Dumm ist nur, dass der mutmaßliche Mörder seines Bruders nicht nur der Anführer der örtlichen Skinheadtruppen, sondern auch der Liebhaber seiner Schwester ist. Zu allem Überfluss stellt sich bald heraus, dass sein Heimatdorf abgebaggert werden soll, und sein Elternhaus eines der ersten Opfer der Braunkohle zu werden droht. Aber Thomas gibt nicht auf. Mit einer gehörigen Portion Wortwitz und dem Mut der Verzweiflung nimmt er den Kampf mit der endlosen Kette von Katastrophen auf, die sein Leben darstellen.


Hier noch ein paar Zitate:

E

inige Augenblicke später bildete sich die Materie und damit fingen die Probleme an.”
(S. 7)

I

ch erinnere mich noch sehr klar an einen Gedanken, den ich in dieser Zeit mit mir herumtrug: Eigentlich sollte sich etwas verändern, wenn ein Mensch gestorben ist. Die Hunde sollten schweigen, der Himmel sollte sich verdunkeln, die Bäume sollten aufhören zu rauschen und alles sollte wenigstens ein bisschen langsamer und ein bisschen leiser werden. Aber nichts davon geschah, denn der Tod änderte nichts, er hinterließ nur eine Lücke. Es war, als hätte mir jemand einen Zahn gezogen, und meine Zunge konnte nicht aufhören, das zu betasten, was gar nicht mehr existierte.
(S. 41)

K

ann man die Unendlichkeit teilen? Und ist eine halbe Unendlichkeit irgendwann zu Ende?”
(S. 239)

I

m nächsten Augenblick geschah etwas, was alles veränderte. Es war eines jener Ereignisse, die uns vermuten lassen, dass wir in einem n-dimensionalen Universum in Hufeisenform lebten. Kurz und gut: Man weiß niemals was passieren wird und sollte sich mit voreiligen Schlüssen zurück halten.”
(S. 280)

I

n einer komplizierten Welt kann es keinen einfachen Gott geben.”
(S. 121)

D

ie Zeit ist eine unaufhörliche Beschreibung der Welt. Ein Logbuch der kleinen Dinge, in dem jeder Lufthauch, jedes schwirrende Flügelpaar, jede Bewegung und jede Berührung festgehalten wird.”
(S. 251)

D

ie Erinnerung ist die sterbliche Seele der Dinge.”
(S. 259)

N

iemand sollte sterben, ohne jemals richtige Titten gesehen zu haben.”
(S. 316)


Soundtrack

Literatur besteht nicht nur aus Worten. Sie besteht vor allem aus dem Klang in unseren Köpfen. Jedes Kapitel hatte, während ich daran gearbeitet habe, einen ganz eigenen Sound, aus dem ich dann die Songtexte entnommen habe, die jetzt die Kapitel einleiten. Passenderweise stammen fast alle Stücke aus dem Jahr 1986, in dem das Buch spielt. Hier also nochmal zum nachhören der (youtube) Soundtrack des Buches (einfach anklicken).

01 Bowie, David. »Absolute Beginners«
02 Rolling Stones. »Harlem Shuffle«.
03 Hornsby, Bruce. »The Way it is«
04 Reiser, Rio. »Alles Lüge«
05 Zappa, Frank. »Jazz from hell«
06 The Smith. »Bigmouth strikes again«
07 Motörhead. »Orgasmatron«
08 Presley, Elvis. »In the Ghetto«
09 Springsteen, Bruce. »My home town«
10 Gabriel, Peter. »Sledgehammer«
11 Lauper, Cindy. »True Colors«
12 UB40. »Rat in my kitchen«
13 Die toten Hosen. »Großalarm«
14 Pink Floyd. »Shine On You Crazy Diamond«
15 Simon, Paul; Ladysmith Black Mambaso. »Homeless«
16 Earle, Steve. »My old friend the blues«
17 Ocean, Billy. »When the going gets tough«
18 Morrison, Van. »Got to go back«
19 Huey Lewis and the News. »Hip to be square«
20 Cave, Nick. »Hey Joe«
21 Queen. »Who wants to live forever«
22 Cooke, Sam. »What a Wonderful World«